Entwickler Stefan Spieß ist seit 2013 an Bord und beschäftigt sich seither mit der Connected Vehicle Plattform von VW, die ihre neue Heimat in der Cloud haben wird – und eine Reihe struktureller, organisatorischer und technologischer Änderungen mit sich bringt.

Naiv gefragt: Inwiefern hat sich dein Berufsfeld seit 2013 verändert?

Als ich damals ins Plattform-Projekt eingestiegen bin, waren wir ein sehr kleines Team, im Prinzip eine verlängerte Werkbank unseres Auftraggebers – dem VW Konzern. Wir haben unsere Software nur auf unserer lokalen Umgebung entwickelt, also unseren Servern. Damals war Automatisierung noch schwierig, wir haben viel manuell erledigt, Daten händisch von A nach B kopiert.

 

Wann und warum hat sich das geändert?

Das hat sich über die Jahre entwickelt. Mit den großen Cloud-Anbietern wie Amazon oder Microsoft entwickelte sich auch der DevOps-Approach. Entwicklungsteams und die Betriebsabteilung waren früher unterschiedliche Abteilungen: Wir entwickelten Software, der Kunde war hinterher für das Deployment verantwortlich. DevOps-Teams hingegen verantworten nicht nur die Entwicklung, sondern auch das Deployment – bis hin zum Produktionsbetrieb.

 

Worin liegt der Vorteil?

Man hat weniger involvierte Parteien und Schnittstellen, wodurch man schneller wird und automatisierte Prozesse etablieren kann. Man bekommt zudem viel schneller Feedback vom Kunden, was dann unmittelbar in die Entwicklung einfließt.

 

Inwiefern hat sich dadurch eure Position im Konzern verändert?

Mit der Gründung der Car.Software.Org von VW, bei der auch Microsoft an Bord ist, haben wir eine ganz neue Rolle zugetragen bekommen. VW wollte, dass wir in dieser Konstellation End-2-end-Verantwortung übernehmen.

 

Und welche Rolle spielt Microsoft?

Microsoft bringt mit der MCVP (Microsoft Connected Vehicle Platform) ein Produkt mit, das in der Cloudumgebung Azure läuft und unserer Connected Car Plattform – der bisherigen Konzernplattform von VW – ähnelt. Microsoft bietet dieses Produkt als White Label-Produkt, was bedeutet, dass da keinerlei markenspezifische Prozesse impliziert sind – aber erstmal auch keine Anwendungen, mit denen man Geld verdienen könnte. Da kommen dann wir ins Spiel. Unsere Plattform hat eine ganze Reihe markenspezifischer Funktionen und Connect-Dienste, die integriert werden müssen. Wir sind ein verbindendes Element, da wir die Businessprozesse von VW gut kennen und viel Domänenwissen mitbringen. Aber Microsoft stellt uns eine Plattform zur Verfügung, die uns extrem dabei hilft.

 

Wodurch zeichnet sich die Microsoft Plattform aus?

In dem Zusammenhang muss ich jetzt mal Microsoft loben, Azure ist ein echt cooles Produkt. Vor ein paar Jahren hat sich Microsoft mehr in Richtung Open Source-Technologien, DevOps und agilen Prozessen geöffnet. Das hat sich in der Produktlandschaft von Microsoft niedergeschlagen. Teil von Azure ist ein Produkt, das sich „Azure DevOps“ nennt. Man kennt ja den bisherigen Standard-Workflow: die Infrastruktur von Jira, in der man die Planung macht, die Sourcecode-Verwaltung in einem Bitbucket System, das Deployment findet dann über eine Continuous Integration-Plattform wie Jenkins statt – und deployed wird anschließend auf einem Kubernetes Cluster. Bei Microsoft kriegt man das alles aus einem Produkt, und dank des DevOps-Ansatzes sind die Abstimmungswege sehr kurz. Da wurden früher Wochen investiert, bevor eine einzige Zeile Code geschrieben war. Das war für mich ein ‚Aha-Effekt‘ als ich letztes Jahr in das Car.Software.Org-Team gekommen bin: Wir hatten innerhalb weniger Tage lauffähige Applikationen in der Cloud deployed. Dafür haben wir in der alten Organisationsstruktur Wochen, manchmal sogar Monate gebraucht.

 

Wie groß sind die Teams?

Wir arbeiten in der CarSoftware.Org in mehreren Teams, in sogenannten ‚Workstreams‘. Valtech Mobility ist mit drei Workstreams vertreten. Das ist einmal die ‚Hybrid Architecture‘, in diesem Team bin ich beispielsweise. Da sind wir ca. acht Leute, plus die Kollegen von VW und Microsoft. In diesem Team haben wir schon vorher Company-übergreifend zusammengearbeitet. Dann gibt es da noch das Team ‚Container-Update‘. Wie der Name schon sagt, geht es da vor allem darum, neue Updates ins Fahrzeug zu bringen. Der dritte Workstream heißt dann ‚Extended Vehicle‘.

 

Wofür ist dein Team konkret zuständig?

Bei der Cloud-Infrastruktur von Microsoft handelt es sich um eine neue Technologie, die als IoT-Edge bezeichnet wird. Wenn man diese Technologie in Fahrzeuge der VW Gruppe integrieren möchte, steht man vor Herausforderungen. Ganz konkret: Die vernetzten Fahrzeuge und deren Dienste, die bereits auf der Straße sind, sprechen bislang nur mit der bisherigen Plattform. Wir bringen ihnen jetzt über die IoT Schnittstelle bei, auch mit der Microsoft Plattform zu sprechen. Daher auch der Name ‚Hybrid Architecture‘. Wir nehmen quasi die Rolle des Adapters, des Vermittlers zwischen der ‚alten‘ und der ‚neuen‘ Welt ein.

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