Als Principal Consultant von Valtech Mobility kümmert sich Wasili Papadopoulos um die Entwicklung von Back- und Frontend-Software für Volkswagen. Im Interview beschreibt er Methodik, Ziele und Arbeitskultur – und warum Braunschweig der ideale Ort dafür ist.

Warst du eigentlich schon immer in der Automobilbranche tätig?

Nein, ich komme ursprünglich aus der Anlagentechnik. Ich habe Elektrotechnik studiert, und habe dann ein paar Jahre als Softwareentwickler im Bereich CAD sowie CAE gearbeitet. Dann war ich im Anlagenbau tätig, dort haben wir Leitwarten für chemische Fabriken hergestellt. Damals alles noch in C++. Da war das Memory Leak mein bester Freund (lacht).

 

Wann bist du das erste Mal mit agiler Softwareentwicklung in Kontakt gekommen?

Im eingeschränkten Maß war das schon im Jahr 2000. Man muss allerdings sagen, dass die Methoden nicht wirklich agil waren. So musste ich unabhängig von der Branche, in der ich gearbeitet habe, lange Pflichten- und Lastenheften definieren, die dann in Gremien getragen wurden. Das hat sich dann bis zu einem Jahr gezogen, bis man wirklich produktiv werden konnte. Eine ganzheitliche, agile Softwareentwicklung war das natürlich nicht.

 

Wann hat sich das gebessert?

Volkswagen war tatsächlich mein erster Kunde, der im Vorlauf der Implementierung auf Pflichten- und Lastenhefte verzichtet hat. Mit VW halten wir stattdessen Workshops ab, in denen wir Stories, Features und Tasks definieren, die sukzessive spezifiziert werden. Dass Agilität in so einem großen Konzern gelebt wird, war neu für mich.

 

Was entwickelt ihr konkret für VW?

Für Volkswagen machen wir einerseits viel im Backend-Bereich, andererseits viele Online-Dienste und Web-Apps für das Fahrzeug. VW Kunden sollen in Zukunft über einen Store verschiedene Apps für ihr Fahrzeug herunterladen können. Im Gegensatz zu Android Auto und Apple Car sind diese Web-Apps nicht vom Smartphone gespiegelt, sondern gehören fest zum Fahrzeug. Hierfür haben wir beispielsweise den App-Shop programmiert und die Authentifizierung des Backends mit dem Fahrzeug entwickelt, damit der Nutzer berechtigt ist, die Apps herunter zu laden.

 

Wie groß sind denn da die Teams?

Das sind angenehm kleine Teams. Unsere Teamstruktur sieht so aus, dass wir mit Softwareentwicklern und jeweils einem Product Owner arbeiten, der auch einen fundierten technologischen Background hat. Es gibt ja auch Product Owner, die ihre Aufgabe ausschließlich darin sehen das Backlog zu verwalten – das macht in unserem Kontext, in dem der Teufel oft im Detail steckt, überhaupt keinen Sinn.  Entwicklerseitig haben wir nur Full-Stack Developer, die sowohl Front-, als auch Backend verstehen. Entwickler bei Valtech Mobility sollten generell den Dev-Ops Ansatz leben, ergo: Produkte über den ganzen Lebenszyklus betreuen können.

 

Wie fühlt sich die Zusammenarbeit mit solch einem Großkonzern in der Praxis an?

Wir arbeiten mit Teams, die sowohl bei VW also auch bei uns sitzen und fast täglich kommunizieren. In dieser Gemengelage ist Braunschweig als Standort eigentlich ideal.

 

Warum?

Als wir noch keinen Standort in unmittelbarer Nähe zu VW hatten, war es oft so, dass ich aus Düsseldorf wegen eines kurzen Termins 8 Stunden durch Deutschland fahren musste. Da ist der Tag eigentlich vorbei. Volkswagen schätzt die Nähe unseres Standortes sehr. Er zeigt, dass wir Wert auf direkte Zusammenarbeit legen und bereit sind zu investieren. Wenn man um die Ecke arbeitet, können die Kollegen Einen auch spontan mal für einen 1-Stunden-Termin treffen. Die kurzen Wege ermöglichen eine sehr unkomplizierte Kommunikation, die uns einen großen kreativen Spielraum gibt.

 

Inwiefern?

Der hochfrequente persönliche Austausch sorgt dafür, dass neue Ideen einfach mal auf dem Flur oder beim Kaffee diskutiert werden, ohne offiziellen Anstrich – und VW ist immer offen für neuen Input. Jemand der erfahren ist, Dinge gern bewegt und Ideen hat, hat bei uns großen Freiraum sich, neue Geschäftsmodelle oder Services zu entwickeln. Auch bei den Softwareentwicklern ist es so, dass ihnen niemand sagt, wie der Build-Prozess aussehen soll. Abgesehen von den Standard-Tools gibt es keine Vorgaben, wie sie ihren Entwicklungsprozess gestalten, wie das Monitoring auszusehen hat oder welche Boards sie verwenden. Das haben die alles selber gestaltet. Wir experimentieren gerne, und dafür gibt es viel Wertschätzung seitens VW. Braunschweig ist zwar noch ein junger Standort, hat aber sehr viel Potential und Annehmlichkeiten.

 

Welche denn noch?

Braunschweig ist eine mittelgroße Studentenstadt mit vielen jungen, ambitionierten Leuten mit automotivem Background. Es ist hier angenehm zu leben, auch die Mieten sind hier vermutlich halb so hoch wie in München, Frankfurt oder Düsseldorf. Unser Büro ist ca. einen Kilometer entfernt vom Hauptbahnhof. Es liegt im alten Bahnhofsgebäude, in dem auch früher eine Zuckerfabrik war – ach ja, bevor ich es vergesse: Wir haben da noch eine Menge Platz (lacht).

 

Auf der Suche nach neuen Kollegen?

Ja, absolut. Wir suchen aber nicht nur nach Entwicklern, sondern Kollegen, die für Projekte Verantwortung übernehmen und ihren Gestaltungsspielraum – zusammen mit dem Team – eigenverantwortlich nutzen wollen und können.

 

Aus deiner persönlichen Sicht: Warum sollte sich jemand bei euch bewerben?

Wir haben die Strukturen und Atmosphäre eines Schnellboots, haben aber den Punch einer der größten OEMs der Welt. Aus persönlicher Sicht: Das ist hier kein 08/15 Job. Man will sich ständig weiterbilden, sich konstant weiterentwickeln und schätzt die Fehlerkultur – Innovation ohne Fehlversuche ist nicht möglich. Gegenseitige Unterstützung innerhalb der Teams ist extrem wichtig, wenn mal etwas schiefläuft. Generell nehmen wir uns nicht allzu ernst, bis in die Geschäftsführung, deren lockere Art sich dann eben auch in den Teams widerspiegelt. Die Hierarchien sind wirklich außergewöhnlich flach, das kenne ich so von keiner anderen Firma.

 

Behauptet das nicht jede Firma?

Wir haben sehr wenige Rollen. Das führt dazu, dass es völlig normal ist, dass selbst ein Geschäftsführer direkt mit einem Junior Consultant zusammenarbeitet. Ob das jede Firma für sich proklamieren kann, wage ich zu bezweifeln.

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