Peter Ivanov und Andreas Peters - Produktentwicklung

Die Geschäftsführer Peter Ivanov und Andreas Peters erläutern im Interview, wohin sich Valtech Mobility entwickelt – und warum Business- und Produkt-Knowhow, neben der technischen Kompetenz, zunehmende Bedeutung für den Erfolg im Mobilitätsmarkt haben.

Die Gründung von Valtech Mobility ist erfolgreich abgeschlossen. Gibt es Reaktionen im Markt?

Peter Ivanov: Die Gründung unseres Joint Ventures weckt große Neugier und Interesse. Wir haben in den vergangenen Monaten viele Gespräche mit unseren Kunden sowie möglichen Neukunden und neuen Markt-Teilnehmern geführt. Der Mobilitätsmarkt, unser Zielmarkt, ist erheblich in Bewegung.

 

Inwiefern?

Andreas Peters: Die Automobilhersteller sind mit neuen Produkten und Angeboten konsequent auf dem Weg zum Mobilitäts-Provider. Darüber hinaus treiben sie mit Macht den Aufbau des Ökosystems der Elektromobilität, das autonome Fahren und neue Geschäftsmodelle voran.
Peter Ivanov: Ferner drängen neue Player in den Mobilitätsmarkt. Dabei spielen nicht nur die Mobilität von Personen, sondern auch Dienstleistungen rund um die Mobilität von Dingen eine zunehmende Rolle. Denken wir beispielsweise an die Auslieferung von Paketen mit Drohnen und Robotern, die Lokalisierung von Mietobjekten wie Fahrädern, Baugeräten et cetera – in diesem Zusammenhang entstehen auch immer mehr komplementäre, digitale Geschäftsmodelle, bspw. mit Versicherungen.
Andreas Peters: Bei all diesen Angeboten spielt die sichere Vernetzung von Fahrzeugen und mobilen Devices mit einer intelligenten, zentralen Service- und Commerce-Plattform eine wesentliche Rolle. Also Bereiche, in denen wir über eine fast 15-jährige Erfahrung verfügen, unsere Kernkompetenzen entwickelt haben und die es konsequent weiterzuentwickeln gilt.

 

Welche Faktoren sind entscheidend? Weiterhin die technologischen Kompetenzen der IT Lösungs-Entwicklung?

Andreas Peters: Natürlich ist es wichtig zuverlässig qualitativ gute Softwarelösungen zu entwickeln, aber das sind aus unserer Sicht nicht die alleinigen Schlüsselkompetenzen, die den Kunden und uns erfolgreich machen. Vielmehr kommt es essentiell darauf an, die zentralen Komplexitäten bei der Dynamik und Skalierung im Rahmen des Lebenszyklus zuverlässig im Griff zu haben. Wir haben Plattformen entwickelt, die heute mehr als ein Dutzend Marken mit mehreren Millionen Fahrzeugen in über 60 Märkten unterstützen. Auf diesen Plattformen laufen über 50 von uns entwickelte Services in fast 400 Varianten – das ist wichtig für die kundenspezifische Differenzierung.
Peter Ivanov: Diese Anzahl wächst rapide und wird sich in den nächsten Jahren vervielfachen. Plattformen und Dienste gilt es mit den kommenden Fahrzeug- und Device-Generationen weiterzuentwickeln und kompatibel zu halten. Dies haben wir bisher erfolgreich für mehrere hundert Modell-Anläufe und eine zweistellige Zahl Device Generationen erreicht – termingerecht und mit hoher Qualität. Insbesondere als Partner der Automobilindustrie gilt es hier zum Modellstart die Ende-zu-Ende Qualität herzustellen und zuverlässig abgesichert zu haben – vom Fahrzeug über das Device bis zum Content-Lieferanten.
Andreas Peters: Darin verfügen wir über jahrelange Erfahrung und konnten so unsere Kunden hierbei schon oft gezielt unterstützen und den Erfolg sicherstellen. Aber auch diese Kompetenzen alleine reichen in Zukunft nicht mehr. Der sich verändernde und wachsende Markt stellt neue komplexere Anforderungen an alle Player – während er zugleich Gestaltungsspielraum für neue Angebote und Produkte bietet.

 

Es müssen also neue Kompetenzen aufgebaut werden?

Peter Ivanov: Absolut. Neben den technischen Lösungen werden mit den neuen Themen immer mehr Beratungsleistungen, auch im Business-Bereich oder im Prozess- und Changemanagement, erforderlich. Das reicht von Strategieberatung über die Unterstützung bei der Entwicklung und Einführung neuer Geschäfts- und Prozessmodelle rund um neue Angebote in die bestehende Organisation bis hin zur ganzheitlichen Verantwortungsübernahme für Teilbereiche der Gesamtlösung – und deren organisatorische und vertragliche Gestaltung und Etablierung.
Andreas Peters: Im Markt gibt es einen erheblichen Bedarf für ganzheitliche Produkte und Angebote. Dies geht einher mit einer frühen Einbindung des Kunden bei der Produktentwicklung, einer fundierten Wirtschaftlichkeitsbetrachtung und Entscheidungsvorbereitung. Die neuen Produkte sind in die Organisation und Prozesslandschaft der Unternehmen zu integrieren, zugleich gilt es Kundenzufriedenheit, Nutzung und Weiterentwicklung zu betreuen. Hier suchen die Kunden nach Partnern, die dies ganzheitlich verantwortlich übernehmen. Dafür sind neben unseren heutigen Stärken weitere erforderlich, die wir entwickeln müssen, um diese Chancen nutzen zu können.

 

Was genau bedeutet „Projekt“ und „Produkt“ in diesem Zusammenhang?

Peter Ivanov: Es wird weiterhin erforderlich sein, Individuallösungen für unsere Kunden zu erstellen – entweder auf Basis unserer Produkte oder durch eine Individualentwicklung. Dies hat beides Projektcharakter. Parallel dazu müssen wir gezielt nach Produktangeboten Ausschau halten, die unserem Markt helfen, die neuen Ökosysteme und Geschäftsmodelle effizienter und schneller auszutesten, umzusetzen und – mit wachsendem Erfolg – zu skalieren. Dies führt uns zu Produktkandidaten.

 

Und wie wird aus einem Produktkandidaten ein Produkt?

Andreas Peters: Typischerweise durchläuft eine Produktidee einen sukzessiven Reifeprozess. Hierzu ist der Kandidat ganzheitlich aus Markt- und Innensicht zu konkretisieren und zu härten. Gemeinsam mit dem Kunden detaillieren wir die genaue Ausprägung sowie den Lifecycle und prüfen die Einsatzfähigkeit und den Bedarf im Markt. Hierdurch entsteht sukzessive die Konkretion des Produkts, der erforderlichen Prozesse und Services aus Kundensicht und des Markts – und damit auch die Härtung der kommerziellen Aspekte wie Preismodell und Zahlungsbereitschaft.
Peter Ivanov: Der Produktkandidat ist auch aus interner Sicht auf die erforderliche Produkt-Wertschöpfung über den gesamten Lifecycle, das erforderliche Sourcing und Partnering sowie die Kostenseite zu betrachten. Wenn wir diese Disziplinen beherrschen, können wir das auch unseren Kunden als Beratungsleistung anbieten und so den dort bestehenden Bedarf im Markt abdecken.

 

Und wo findet man neue Ideen für Produkte?

Peter Ivanov: Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Der Kunde beispielsweise kann als Initiator fungieren, wenn er mit einer Anfrage oder einer Idee auf uns zukommt. Im Rahmen der Lösungsentwicklung entsteht dann oft der Bedarf nach einer ganzheitlichen Lieferung, Betreuung und Weiterentwicklung einer Lösung oder Lösungskomponente. Manchmal realisiert man, dass die gelieferte Lösung oder eine Komponente auch in einem anderen Kontext vermarktbar ist. Dann müssen wir hierzu die Voraussetzungen schaffen und diese Option prüfen und härten.
Andreas Peters: Unsere Erfahrung zeigt, dass im Rahmen von Mobilitätslösungen immer wieder ähnliche, bereits bestehende Komponenten zum Einsatz kommen. Diese Kandidaten bilden also ein Bausteinsystem, mit dem man Lösungen für eine Geschäftsidee erstellen oder ergänzen kann. Der Aufbau eines „Baukastensystems“ für Mobilitätslösungen würde Sinn machen.

 

Es gibt also bereits Produkte?

Andreas Peters: Ja, auch in der Vergangenheit haben wir einige Assets mit Produkt-Charakter entwickelt und gebaut. Zum Beispiel unsere ACON Box zur schnellen Realisierung einer sicheren serienfähigen Konnektivität von Fahrzeugen und mobilen Devices im Nachrüstbereich. Darüber hinaus sind auch einige Managed Services entstanden, die wir ganzheitlich betreiben und verantworten.
Peter Ivanov: Derzeit arbeiten wir an einem konkreten Produkt im Bereich des intelligenten elektrischen Ladens, das dem Kunden im wachsenden Markt der Elektrofahrzeuge einen erheblichen Mehrwert bieten wird.
Andreas Peters: Wir scannen unsere bestehenden Assets und Lösungen stets auf potentielle weitere Produktkomponenten. Diese Produktkomponenten bieten unseren Kunden immer wieder Vorteile bei der schnellen Realisierung eines Prototyps oder einer Lösung für ein neues Geschäftsmodell oder Serviceangebot – ergo: erhebliche Vorteile beim Time-to-Market. Uns wiederum bieten diese Komponenten Vorteile bei der Wirtschaftlichkeit im Rahmen der Entwicklung.

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